Sicher, mehrsprachig, crossmedial…: Was macht „gute“ Bürgerbeteiligung aus?

Im Rahmen von INTERPART haben wir mit zahlreichen Expert*innen aus den Verwaltungen in Berlin und Wiesbaden sowie zivilgesellschaftlichen Initiativen, z.B. Vereinen, Interviews geführt. Wir wollten herausfinden, welche Erfahrungen es im Bereich der Bürger*innenbeteiligung gibt: Wie schätzen die Befragten besonders erfolgreiche Beteiligungsprojekte rückblickend ein, welche Rolle spielt interkultureller Dialog dabei und wie können (analoge und digitale) Beteiligungsformate verbessert werden? Die Interview-Ergebnisse dienen als Ausgangspunkt, um im Verlauf unserer Arbeit Beteiligungsformate so anzupassen, dass eine niedrigschwellige Beteiligung möglich wird. Das bedeutet, dass zum einen mehr Menschen teilnehmen, zum anderen aber auch unterschiedliche Menschen mitmachen – als Abbild der vielfältigen Bewohner*innenschaft in den Quartieren.

Generell ist für ein gelingendes Beteiligungsverfahren, so ein Ergebnis der Interviews, eine gute Vertrauensbasis essentiell. Sie erreicht man zum Beispiel durch persönliche Ansprache, klare Kommunikation, Transparenz und die Durchführung von Beteiligung in bekannten Räumlichkeiten, bspw. von Migrantischer Selbstorganisation.

Um allen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich zu beteiligen, sollten unterstützende Angebote wie Kinderbetreuung oder Übersetzungen organisiert werden. Wichtig sind auch Schutzräume („safe spaces“) in Form von temporären und parallelen Beteiligungsformaten für bestimmte Gruppen, etwa mehrsprachige Erzählrunden für Frauen. Für Neu-Zugewanderte oder bildungsferne Deutsche, die noch keine Erfahrungen mit Beteiligung gemacht haben, sind parallellaufende Veranstaltungsformate sinnvoll, um langsam Kenntnisse zum Thema Bürger*innenbeteiligung sammeln zu können.

Eine Auseinandersetzung mit institutionellem Rassismus in Verwaltung und Zivilgesellschaft sehen viele Interviewte als wichtig an, in der Praxis verläuft sie jedoch nur langsam. Personen mit Migrationshintergrund, nichtdeutschen Staatsbürger*innen oder Schwarzen Deutschen werden oft verallgemeinernde (kulturelle) Eigenschaften zugeschrieben. Dadurch wird die Beteiligungsarbeit beeinflusst und die Partizipation von Stadtnutzer*innen erschwert. Um dem entgegenzuwirken, ist eine interkulturelle Öffnung der Verwaltungen mit verbindlichen und überprüfbaren Zielvorgaben wichtig, bspw. in der Personalentwicklung und Weiterbildung. Beteiligungsverfahren sollten zudem mehrsprachig organisiert werden, da Sprache hier auch eine Barriere darstellen kann. Gute Erfahrungen gibt es, wenn Informationen, Broschüren etc. in „leichtem Deutsch“ formuliert sind. Hilfreich sind auch eine bildhafte Kommunikation sowie die Sensibilisierung dafür, dass Mehrsprachigkeit in vielen Nachbarschaften heute eine Selbstverständlichkeit ist.

Eine weitere Option sind digitale Angebote. Apps können in verschiedenen Sprachen gestaltet werden und so die Beteiligung erleichtern. Dennoch zeigen unsere Ergebnisse, dass eher eine Kombination analoger und digitaler Beteiligungsinstrumente bevorzugt wird, um auch weiterhin den so wichtigen persönlichen Austausch zu fördern. Ein digitales Angebot muss demnach crossmedial verwendbar und einfach zu nutzen sein.

Wichtige Faktoren für eine erfolgversprechende Bürger*innenbeteiligung sind also:

  • Unterstützende Angebote (z.B. Kinderbetreuung)
  • Schutzräume, damit auch von Diskriminierung häufiger betroffene Personengruppen an Beteiligung teilnehmen können
  • Auseinandersetzung mit Rassismus und Diskriminierungserfahrung in den Verwaltungen
  • Interkulturelle Öffnung durch Fortbildungen und Workshops in den Verwaltungen
  • Intensivere Einbindung und Repräsentation von Menschen mit Migrationshintergrund in Verwaltungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen
  • Angebote in „leichtem Deutsch“, mehrsprachige Angebote, Sprachmittler*innen, bildhafte Sprache
  • Crossmediale Angebote auf leicht zugänglichen Plattformen mit mehrsprachigem Angebot